Koyasan

Tokyo, Kyoto, Osaka – alles Namen von Städten welche in der breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Von Koyasan habe ich noch nie etwas gehört. Es wird aber empfohlen im Lonely Planet Guide und ist Teil von einer vorgeschlagenen Route. Und es ist ausserhalb von den Grossstädten, was mir auch gerade recht ist.

Koyasan ist geografisch gesehen ein kleines Tal in der Präfektur Wakayama südlich von Osaka, das ein wenig erhöht gelegen ist. Das Tal gilt als spiritueller Mittelpunkt des japanischen Buddhismus, und hat vor allem deswegen eine zentrale Bedeutung. Ich habe mir im voraus eine Unterkunft in einem Tempel gebucht, was sehr typisch ist für einen Besuch dort.

Nicht so recht wissend was mich erwartet habe ich mich in den Zug gesetzt, welcher mich zur Talstation einer Standseilbahn geführt hat. Ausserhalb von Osaka wird das Gelände hügeliger, und die Zugfahrt war schon ein interessantes Erlebnis. Nach der kurzen Fahrt in der Standseilbahn und einer kurzen Busfahrt war ich im Zentrum. Ein kleiner verschlafener Ort.

Standseilbahn nach Koyasan
Standseilbahn nach Koyasan

Wieder habe ich den Reiseführer zu Hilfe genommen, welcher mich zu den Sehenswürdigkeiten geführt hat. Gates und Tempel. Nun ja, von denen habe ich schon einige gesehen, und dessen Bedeutung zu verstehen war wirklich schwierig. Der Regen hat mich dann ins Museum getrieben, wo ich den Regen vorübergehen liess. Auch hier, es war ein wenig schwierig Sinn aus dem Ganzen zu machen.

Konpon Daito Pagoda beim Garan Tempel
Konpon Daito Pagoda beim Garan Tempel

Ich habe mich dann mal auf den Weg zur Unterkunft gemacht. Dort angekommen war ich zuerst mal ein wenig verwirrt. Es war ein Tempel, und in einem ein wenig chaotisch und archaisch aussehenden Büro konnte ich einchecken. Das Zimmer war wirklich interessant. Wieder eine Futon Matratze am Boden, an das habe ich mich ja schon gewöhnt. Auch hier, sehr archaisch das ganze. Am besten gefallen hat mir das schöne Telefon.

Eingang zum Tempel wo ich geschlafen habe
Eingang zum Tempel wo ich geschlafen habe
Mein Schlafgemach im Tempel
Mein Schlafgemach im Tempel
Das Telefon hat mir besonders gut gefallen
Das Telefon hat mir besonders gut gefallen

Die Unterkunft war ganz in der Nähe des berühmten Friedhofs Okunoin von Koyasan, ein riesiges Areal in einem Wald. Unzählige Grabsteine gibt es dort zu sehen, und man schreitet entlang von einem mit Laternen beleuchteten Pfad. Zusammen mit dem nebligen und regnerischen Wetter ergibt das eine sehr mystische Stimmung. Am Ende von diesem Pfad liegt das Mausoleum von Kobo Daishi, dem Gründer von diesem Ort. Dieser Ort ist für die japanischen Buddhisten wohl der heiligste überhaupt. Er befindet sich in einem separaten Bereich, der durch eine Brücke getrennt ist vom übrigen Bereich. Brücken haben eine spirituelle Bedeutung, und wenn man darüber schreitet begibt man sich auch spirituell an einen anderen Ort – scheinbar. Es sind auch keine Fotos erlaubt an diesem Ort. Drinnen sieht man den Ort wo Kobo Daishi ewig meditiert, unter unzähligen Laternen. Ein eindrücklicher Ort, aber auch diesen konnte ich nicht so wirklich verstehen.

Ich wurde langsam hungrig, so habe ich mich auf die Suche nach einem Restaurant gemacht. Der Lonely Planet Guide hatte einige Vorschläge. Zu meinem Erstaunen habe ich keinen einzigen Ort gefunden der geöffnet ist. Ein extrem verschlafener Ort wie ich feststellen musste, und ich bin auch nicht in der Hochsaison dort. Zum Glück habe ich noch einen offenen convenience Store gefunden wo ich mir ein Picknick zusammenstellen konnte.

Die mystische Nachtstimmung habe ich dann noch für ein paar Foto Experimente genutzt, die mehr oder weniger gelungen sind.

Konpon Daito Pagoda in der Nacht
Konpon Daito Pagoda in der Nacht
Daimon Gate - Eingang zu Koyasan - in der nebligen Abenddämmerung
Daimon Gate – Eingang zu Koyasan – in der nebligen Abenddämmerung
Wächter beim Daimon Gate
Wächter beim Daimon Gate

Geschlafen habe ich super in diesem Tempel. Am Morgen durften die Besucher der Morgenzeremonie beiwohnen, was interessant war. Aber auch dort war ich ein wenig ratlos was da effektiv vor sich ging. Fotos durften leider keine gemacht werden, was ein Anschlag mehr oder weniger verständlich zu vermitteln versuchte. Nach der Zeremonie folgte ein Frühstück im Tempel. Im Schneidersitz am Boden auf Tatami Matten. Sehr unbequem für mich. Und auch die Situation war äusserst speziell, ich war auf jeden Fall sehr froh als dies vorüber war.

Im Tempel darf zu meinem Erstaunen keine Jagd auf Mönche oder Angestellte gemacht werden
Im Tempel darf zu meinem Erstaunen keine Jagd auf Mönche oder Angestellte gemacht werden

Am Vortag habe ich gesehen, dass es geführte Touren durch Koyasan gibt, und ich habe beschlossen, an einer solche teilzunehmen einfach um den Ort ein wenig besser zu verstehen. Ich war so wie es scheint der einzige Interessent, und so hatte ich quasi eine Privattour. Wir sind wieder durch den Friedhof gegangen, wo mir die freundliche Führerin erklärt hat, was es auf sich hat mit diesen Gräbern. Scheinbar liegen dort nicht ganze menschliche Überreste, sondern einfach ein kleiner Teil wie ein Haar oder etwas ähnliches. Die Leute wollen ein Grab an diesem Ort haben um möglichst nahe an Kobo Daishi zu sein, dem Begründer des japanischen Buddhismus. Viele Leute und Familien wollen so ein Ort nahe an Kobo Daishi, entsprechend gross ist das Areal. Viele Gräber haben einen so genannten Gorintō, einen 5 Ring Turm, welche die 5 Elemente symbolisiert: Der Würfel symbolisiert Erde, die Kugel symbolisiert Wasser, die Pyramide symbolisiert Feuer, die Halbkugel symbolisiert Luft, und der oberste Ring symbolisiert den Äther oder die Energie. Die vielen Tempel in Koya San pflegen gemeinsam den grossen Friedhof, jeder Tempel hat ein Stück wofür er verantwortlich ist.

Grab im Okunoin Friedhof - Mix von Buddhismus und Shintoismus
Grab im Okunoin Friedhof – Mix von Buddhismus und Shintoismus
Pfad mit vielen Gräbern im Okunoin
Pfad mit vielen Gräbern im Okunoin
Gorintō oder 5 Ring Turm bei einem Grab
Gorintō oder 5 Ring Turm bei einem Grab
Die Mäntel schützen Kinder
Die Mäntel schützen Kinder

Es gibt dort auch Gräber von wichtigen Persönlichkeiten wie Samurais, oder auch Gräber für gefallene Soldaten im Krieg. Ganz interessant fand ich die Gräber von Firmen wie Nissan oder Panasonic, welche Gräber für die eigene Belegschaft errichtet hat.

Grab von einem Samurai
Grab von einem Samurai
Besonders auffälliges Firmengrab
Besonders auffälliges Firmengrab
Firmengrab im Okunoin
Firmengrab im Okunoin

Nach dieser sehr informativen Tour habe ich mich dann auf den Rückweg nach Osaka gemacht. Immer noch ein wenig verwirrt, aber wenigstens konnte ich das Konzept von diesem Ort ein wenig besser verstehen. Ich war froh mich wieder raus aus der mir etwas fremden Welt der Spiritualität verabschieden zu können, und in das mir mittlerweile schon recht vertraute Osaka zurückzukehren.

Zug an der Talstation zurück Richtung Osaka
Zug an der Talstation zurück Richtung Osaka

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