Karijini National Park

Nach unseren maritimen Abenteuern in Monkey Mia und Coral Bay ist nun ein Tapetenwechsel angesagt. Es geht ins Landesinnere, in Richtung Karijini National Park. Es ist eine lange Fahrt im Bus an diesem Tag. Wir unterbrechen die Fahrt mit einem Stopp an einem Roadhouse, einer Art Raststätte, und natürlich für das Mittagessen. Wir machen auch immer wieder Halt an interessanten Orten. Hier ein Beispiel: In Australien sind die Distanzen so gross, dass man manchmal nicht um ein Flugzeug herum kommt. Entsprechend viele Airstrips gibt es. An gewissen Orten werden auch die Highways als Piste gebraucht. Wara nutzt die lange Fahrzeiten auch sehr geschickt, um uns mit Hintergrundinformationen zu verschiedensten Themen zu versorgen. Kultur der Aborigines, Geologie, Geschichten aus der Kolonialzeit Australiens, usw. Unser Favorit war eine Geschichte vom niederländischen Schiff „Batavia“, welches 1629 vor der Westküste Australiens auf ein Riff lief und sank.

Highways werden auch als Airstrips genutzt

Um die Fahrzeit um ca. 45 Minuten zu verkürzen, hat unser Guide Wara seine Beziehungen spielen lassen. Per Funk hat er einen Freund gebeten, eine Minenstrasse zufällig offen zu lassen. Und wir haben ja ein Geländefahrzeug. Also ab auf die Naturpiste, natürlich mit möglichst hoher Geschwindigkeit, um die Unebenheiten quasi zu überfliegen (und den Spassfaktor zu erhöhen).

Am späteren Nachmittag sind wir dann in Tom Price eingetroffen. Tom Price ist ein Dorf, das spezifisch für die Eisenerz Abbau Industrie in diesem Gebiet errichtet worden ist. Benannt ist Tom Price nach einem Amerikaner – Tom Price – welcher diese Industrie in Westaustralien gross gemacht hat. Interessanter Fakt: Tom Price ist mit seinen 747 m die höchstgelegene Ortschaft in Western Australia. Den Stopp in Tom Price haben wir genutzt, um uns ein wenig auf Abgeschiedenheit vorzubereiten. So haben wir einige Einkäufe getätigt, das Fahrzeug getankt, sowohl mit Diesel wie auch mit Wasser, die Kühlboxen mit Eis gefüllt und letztmals die E-Mails geprüft.

Fast am Ziel nach einer langen Fahrt

Dann haben wir uns auf den Weg in den Park gemacht. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir beim Camp angelangt und haben die fix installierten Zelte bezogen. Kimberley Wild, die Firma welche die Tour durchführt, hat dort einen eigenen Sektor auf dem Camping Platz, und hat diesen ausgestattet mit Zelten und einem Anhänger mit Kochutensilien, womit Wara die unterschiedlichsten Gerichte zubereiten kann.

Wara bereitet ein Stir Fry zu
Stir Fry à la Wara
Auch für das Frühstück lässt sich der Barbecue benutzen

Am nächsten Tag sind wir dann auf Entdeckungstour in den Park gegangen. Weano Gorge war unsere erste Station. Nach einem atemberaubenden Ausblick in die rote Schlucht von oben sind wir dann abgestiegen, und haben einen etwa 1.5 stündigen Spaziergang durch die Schlucht unternommen. Das intensive Rot, dann das weiss und grün der Eukalyptus Bäume, und das glasklare Wasser ist schon etwas ganz spezielles. Und dazu hatten wir auch prächtiges Wetter mit stahlblauem Himmel.

Rote Erde, Eukalyptus Bäume und Termitenbauten sind sehr typisch für diese Region
Termitenbau im Karijini National Park
Weano Gorge
Weano Gorge
Eukalyptus Baum in Weano Gorge

Wara hatte aber dennoch eine Sorge. Unser Fahrzeug macht Probleme. Der Motor zieht nicht wie er sollte und hatte im teils steilen Gelände extrem Mühe. Erste Diagnosen von Wara deuteten auf ein Problem mit dem Vergaser hin, worauf die Elektronik den Motor in einen „Limp Mode“ setzt und dieser somit nur noch eine begrenzte Leistung hat. Per Satellitentelefon bespricht er was zu tun ist mit dem Office des Touroperators. Sie beschliessen schlussendlich, dass 2 Leute von Broome ein Ersatzfahrzeug in den Park bringen und sich dann um das Sorgenkind kümmern werden. Eine Distanz von fast 1000 km, das ist nicht ganz ohne.

Nach dem Mittagessen sind wir dann weiter zu den Fortescue Falls. Dort konnten wir unten in der Schlucht eine wunderschöne Wanderung machen. Zu der bisherigen Farbpalette hat sich hier noch eine weitere gesellt: Ein Graublau. Wie Wara uns erklärt entstammt dieser Farbton aus einer Substanz, die man besser nicht anfasst: Asbest.

Circular Pool
Circular Pool
Fern Pool
Fern Pool
Beim Fern Pool

Nach dem Aufwachen am nächsten Morgen hatten wir Besuch: Die beiden Fahrer des Touroperators sind mitten in der Nacht mit dem Ersatzfahrzeug angekommen. Einer davon der Chef höchstpersönlich. Und der Bus den sie uns gebracht haben ist auch ganz anständig. Grösser und stärker als der andere. Nun haben wir das ultimative Outbackfahrzeug. Wara war äusserst zufrieden mit unserem neuen Gefährt, und wir waren es ebenfalls.

Unser Ersatzfahrzeug

Nach dem Frühstück konnten wir das gleich ausprobieren. Wir machten einen Ausflug aus dem Park raus, nach Tom Price, das Mineur Dorf. Nahe dem Park gibt es mehrere Eisenerzminen, und eine davon wollten wir anschauen gehen. So hat uns Wara in Tom Price an eine geführte Tour durch eine Mine übergeben. Leider waren da noch etwa 50 andere Leute. Nicht wirklich mein Ding. In einem Bus ging es dann aufs Minengelände, wo wir im Bus an den Werkstätten der riesigen Maschinen vorbeichauffiert wurden. Riesige Pneulader und Grossmuldenkipper werden dort gewartet. Weiter ging es dann auf eine Aussichtsplattform, wo die Dimension dieser Tagbaumine ein wenig klar wurde. Eine riesige Grube, wo in bestimmten Schichten das Eisenerz abgebaut wurde. Wirklich viel vom Geschehen konnte man aber nicht sehen leider. Zurück ging es dann entlang der Verarbeitungs- und Verladeanlagen. Das Eisenerz wird nach dem Abbau und der initialen Verarbeitung auf enorm lange Züge (ca. 250 Wagen) verladen, und dann in Richtung Norden nach Port Hedland an die Küste gefahren, wo es auf Frachtschiffe geladen wird. Nun ja, man kann halten was man will von diesem Abbau von Eisenerz. Fakt ist aber, dass wir bei unserem heutigen Lebensstandard ohne Eisen und Stahl nicht auskommen würden. Diese Tour wird es sicher auch nicht in meine persönliche Liste von Highlights in Australien schaffen.

Tagbau Eisenerz Mine bei Tom Price
Eisenerz Verarbeitungsanlage
Eisenerz Verarbeitungsanlage
Grossmuldenkipper

Einen Ort den es aber definitiv in diese Liste schaffen wird haben wir dann am Nachmittag besucht. Zurück im National Park sind wir zum Hamersley Gorge gefahren. Was wir dort gesehen haben war echt einmalig. Was dort die Geologie geleistet hat ist einfach nur faszinierend. Dass sich Gesteinsschichten aufrichten und in einem Winkel oder gar senkrecht verlaufen sieht man ja ziemlich oft. Dort aber sind die Schichten übereinander gefaltet, wie ein Blatt Papier, dessen Enden man auf einer Oberfläche zusammenzuschieben versucht. Mit diesen Formationen hat es Hamersley Gorge scheinbar auf das Cover von diversen Geologie Büchern geschafft.

Hamersley Gorge
Hamersley Gorge
Hamersley Gorge
Hamersley Gorge
Hamersley Gorge
Hamersley Gorge
Hamersley Gorge
Hamersley Gorge

Nach einer weiteren Nacht im Park hiess es dann Abschied nehmen von diesem ganz speziellen Ort. Während den nächsten beiden Tagen werden wir die 1000 km nach Broome zurücklegen. Davon mehr das nächste Mal.

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